Schlußfolgerung der Messung

Mittels der erfassten X-Z-Symmetrieebene und dem Soll-Ist-Abgleich der vorderen Längs-träger ist die Verformung des linken Längsträgers messbar. In den folgenden Abbildungen ist der Umsetzungsprozess bildlich zusammengefasst.

150706_A5_Soll-Ist-Abgleich_(1)

150706_A6_Soll-Ist_Abgleich_(2)

 

 

Die Verformung (Deformation) des linken Längsträgers wurde in X-Y-Z-Richtungen bestimmt. In der Abbildung unten ist die Verformung in X- und Y-Richtung dargestellt. Der rote Längsträger stellt den Ist-Zustand dar. Der grüne Längsträger ist der gespiegelte rechte Längsträger, der den Soll-Zustand wiedergibt.

150706_A7_LT_XY-Richtung

In der nächsten Abbildung ist die Verformung in Z-Richtung veranschaulicht. Der rote Längsträger stellt den Ist-Zustand dar. Der weiße Längsträger ist der gespiegelte rechte Längsträger, der den Soll-Zustand wiedergibt.

150706_A8_LT_Z-Richtung

Das folgende Diagramm zeigt die Verformung des linken Längsträgers über die Länge der vorderen Längsträger an. Die Länge der vorderen Längsträger basiert auf die Messung (bis 550 mm) und ist nicht die gesamte Trägerlänge (ca. 600-620 mm). Der Grund liegt darin, dass der hintere Teil des linken Längsträgers an der Spritzwand von dem Bremskraftverstärker im Motorraum versperrt war und der FARO-Messarm in dieser Position nicht vollständig die Punkte erfassen konnte.

150706_A10_Diagramm_ Anhand der Abbildungen oben und des Diagramms ist zu erkennen, dass der linke Längsträger sich durch den Frontalunfall in Richtung des Motorinnenraums (X-Richtung) verformt bzw. verbogen hat. Des Weiteren kann festgestellt werden, dass der Längsträger sich in Richtung der Spritzwand (Y-Richtung) verstaucht bzw. verschoben hat. Eine Deformation in Z-Richtung ist nicht ersichtlich.

Die größte Verformung liegt im hinteren Teil des Längsträgers in Richtung des Motorinnen-raums (X-Richtung).

Mit Hilfe der optischen Messtechnik mittels FARO-Arm und der Laser-Line-Probe ist es unserer Projektgruppe gelungen brauchbare 3D-Messdaten zu erzeugen. Zwar ist diese optische Messtechnik im Gegensatz zu einer taktilen Messtechnik ein sehr zeitlich aufwendiges Verfahren, doch das Ergebnis der Schadensanalyse zeigt, dass durch die hohe Anzahl an Punkten die Genauigkeit der Messwerte für die Verformung des linken Längsträgers deutlich erhöht wird. Darüber hinaus entsteht eine sehr übersichtliche und leicht verständliche Darstellung, die der Instandsetzung dabei verhilft die Unfallsituation nachzuvollziehen.

Der FARO-Arm muss während der Messung eine sichere und stationäre Position bekommen, um Verschiebungen des Systemursprungs zu vermeiden. Während der Messung dürfen keine Abstützungen am Fahrzeug erfolgen, da das Fahrzeug schnell einfedern kann und dadurch die richtigen Punktkoordinaten nicht erfasst werden können. Die Folgen wären Dellen bzw. doppelte Schichten, die die Verformungsdaten beeinträchtigen bzw. verfälschen würden. Des Weiteren ist zu beachten, dass während der Messung mehrere Punktwolken erzeugt werden. Die hohe Anzahl an Punkten fordert einen hohen leistungsstarken Rechner, da die Messdaten in der Software CAM2Measure in Echtzeit verarbeitet werden. Aus diesem Grund kann die Erzeugung mehrerer Punktwolken verhindern, dass der Rechner zufällig abstürzt und die Messdaten unbrauchbar werden.

Nachdem die Punktwolken im CAD-System CATIA analysiert wurden, konnten die Ausmaße der Verformungen festgestellt werden. Es besteht die Möglichkeit die Kollisionsphase abzuschätzen. Dazu stehen mehrere Situationen in Frage. Die erste Möglichkeit ist ein Auffahrunfall mit einem versuchten Ausweichen. Die zweite Möglichkeit ist ein frontaler Zusammenstoß mit einem zweiten Unfallgegner aus der entgegengesetzten Fahrtrichtung. Die dritte Möglichkeit ist das Fahren gegen parkende Fahrzeuge oder stationäre Objekte. Auch der Opel Rekord Caravan 1900 LS konnte angefahren sein. Die Liste der möglichen Unfallgeschehen kann sehr lang fortgeschrieben werden. Der entscheidende Punkt ist, dass die Längsträger bei einem Unfall involviert werden müssen. Während dem Aufprall bzw. der Verformung entsteht eine Energieabsorption. In anderen Worten, die Längsträger nehmen die Energie auf. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass diese Bauteile wieder instandgesetzt werden. Durch die starken Verformungen, Brüche, Risse oder den Verschleiß kann zum Beispiel das Fahrzeug die TÜV-Kontrolle nicht bestehen. In der folgenden Abbildung ist ein Unfallgeschehen Beispielhaft nachgebildet, die die Situation für den Opel Rekord Caravan 1900 LS beschreiben soll.

150706_A11_Stoß

Reparaturmaßnahmen für den linken vorderen Längsträger sind zum Beispiel die Nutzung einer Richtbank. Damit lassen sich u.a. Rahmen- und Karosseriestrukturen reparieren. Durch eine Kaltverformung können Bauteile wieder ihre ursprüngliche Form erhalten. Im Falle des Opel Rekord Caravans 1900 LS (Dornröschen) liegen Druck- und Biegebeanspruchungen vor. Eine zu starke Stauchung (Verformung in Y-Richtung des linken Längsträgers) kann möglicherweise nicht wieder rückgängig gemacht werden. Ein Austausch dieses Längsträgers ist dann unumgänglich. Es ist mit höchster Priorität an die Instandsetzung heranzugehen, da die Längsträger zu den sicherheitsrelevantesten Bauteilen im Fahrzeug gehören. Insassen-schutz muss durch Energieabsorption gewährleistet sein.

Die optische Messung hat eine offene Zukunft. Von der Sachverständigung bis hin zum Motorsport kann jedes Fachgebiet die Präzision dieser Technik nutzen. Lasermessungen anstelle von händischen Methoden wie Beispielsweise Maßband und Lineale bringen höchste Genauigkeit zur Bestimmung von Dimensionen.

 

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