{"id":324,"date":"2023-05-16T12:37:37","date_gmt":"2023-05-16T10:37:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sonia.de\/integration\/?page_id=324"},"modified":"2023-06-27T16:37:19","modified_gmt":"2023-06-27T14:37:19","slug":"weiterfuehrende-fragen-an-die-expertinnen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.sonia.de\/integration\/weiterfuehrende-fragen-an-die-expertinnen\/","title":{"rendered":"Weiterf\u00fchrende Fragen an die Expert*innen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Prof.in Dr.in Erika Schulze<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was ist Ihre Motivation f\u00fcr das Forschungsthema Migration, Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Zum einen begleitet mich die Migrationsforschung seit vielen Jahren, daher besch\u00e4ftige ich mich auch immer wieder mit dem Thema Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit. Die zweite Motivation hat generell mit meiner Besch\u00e4ftigung mit gesellschaftlichen Ungleichheiten zu tun. In diesem Zusammenhang ist das Thema Migration von hoher Bedeutung. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was bedeutet Migration im Kontext von Flucht auf die Zugeh\u00f6rigkeit(en) der Betroffenen?<\/strong><em><strong> <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ich denke, das l\u00e4sst sich nicht vereinheitlichen \u2013 (Mehrfach)Zugeh\u00f6rigkeiten sind unterschiedlich bei Menschen ausgepr\u00e4gt, k\u00f6nnen sich situativ oder im Laufe der Zeit \u00e4ndern.&nbsp; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie verlief der empirische Zugang zum Forschungsfeld? Bestand Akzeptanz\/Unterst\u00fctzung oder Misstrauen\/Ablehnung von Seiten des Forschungsfeldes?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Hier habe ich weitgehend gro\u00dfe Offenheit erlebt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Welche Wege gehen Sie, um Ihre Forschungsergebnisse der Praxis nahezubringen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>In unserem Fachbereich Sozialwesen ist der Theorie-Praxis-Transfer generell stark verankert, so dass es viele Kooperationen und Kontakte gibt. Ich selbst arbeite immer wieder mit st\u00e4dtischen Institutionen wie dem Kommunalen Integrationszentrum, dem Jugendamt, Schulen oder Kitas zusammen, so dass sich viele M\u00f6glichkeiten ergeben, die Forschung in die Praxis zu tragen und vor allem auch ins Gespr\u00e4ch zu kommen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Welche konkreten Handlungsempfehlungen k\u00f6nnen Sie      Schulen bei der Integration von gefl\u00fcchteten Kindern geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Potentiale und Kompetenzen der Kinder st\u00e4rker in den Blick zu nehmen, ebenso die Rahmenbedingungen, unter denen sie leben als Herausforderung und Verantwortung f\u00fcr die Schule wichtiger zu nehmen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie definieren Sie Willkommenskultur? Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Willkommenskultur bei der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Meines Erachtens geht es \u2013 wie generell im Kontext von Migration \u2013 st\u00e4rker um Inklusion, denn um Integration, einem Begriff dem weiterhin das Einf\u00fcgen in, bzw. die Anpassung an ein imaginiertes gro\u00dfes Ganzes innewohnt. Demgegen\u00fcber w\u00fcrde ich daf\u00fcr pl\u00e4dieren, die Inklusion zu erm\u00f6glichen \u2013 die gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen (Bildung, Wohnen etc.). Hier gibt es noch starken Verbesserungsbedarf. Nichtsdestotrotz ist die Willkommenskultur, die ja vor allem von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen getragen wird, ein wichtiger und unterst\u00fctzender Bestandteil.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es zuk\u00fcnftige Forschungspl\u00e4ne zur Thematik Migration und Flucht? Welche?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Noch keine wirklich ausgefeilten, doch das Thema wird\nmich weiter begleiten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Prof.in Dr.in Christine Baur<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was ist Ihre Motivation f\u00fcr das Forschungsthema Migration, Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Das Thema begleitet mich seit Jahrzehnten: Zun\u00e4chst\nals Studierende in den 1980er Jahren, in denen ich zusammen mit\nKommiliton*innen aus dem Erziehungswissenschaftlichen Studiengang an der FU\nBerlin den interkulturellen Nachbarschaftsladen \u201eElele\u201c (Hand in Hand) in\nBerlin\/Neuk\u00f6lln gegr\u00fcndet habe; anschlie\u00dfend als Schulsozialarbeiterin in einer\nSchule in Berlin\/Kreuzberg, in der ich mehr als 20 Jahre mit Sch\u00fcler*innen und\nFamilien mit Migrationshintergrund bzw. Fluchtbiographie gearbeitet habe. Seit\n2015 forsche ich im Rahmen meiner Professur zu konflikthafter Diversit\u00e4t im\nschulischen Alltag, der schulischen Integration von Gefl\u00fcchteten und\nMigrationsthemen aufgrund gesellschaftspolitischer Herausforderungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Bildungsbenachteiligung von Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund im Zusammenhang mit ethnischer und sozialer Segregation in Schulen und umgebenden Wohnquartieren bzw. Einzugsbereichen ist ein dr\u00e4ngendes gesellschaftspolitisches Problem, das L\u00f6sungen bedarf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was bedeutet Migration im Kontext von Flucht auf die Zugeh\u00f6rigkeit(en) der Betroffenen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Zugeh\u00f6rigkeit muss von Zugewanderten mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache, vor allem von Gefl\u00fcchteten, schwer erk\u00e4mpft werden. Hindernisse liegen in Vorurteilen gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten, ihren vermeintlichen kulturellen und religi\u00f6sen Pr\u00e4gungen. Das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit kann gest\u00f6rt werden durch Zuschreibungsprozesse, die den Zugewanderten eine randst\u00e4ndige Position in dieser Gesellschaft zuweisen. Die F\u00f6rderung der Zugeh\u00f6rigkeit der Gefl\u00fcchteten muss auf verschiedenen politischen, institutionellen und professionellen Ebenen erfolgen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie verlief der empirische Zugang zum Forschungsfeld? Bestand Akzeptanz\/Unterst\u00fctzung oder Misstrauen\/Ablehnung von Seiten des Forschungsfeldes? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Zugang zum Forschungsfeld war in der Regel ohne Hindernisse m\u00f6glich. Selbst in der Hochphase der Covid-Epidemie gab es eine erstaunliche Bereitschaft bei Schulleiter*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Lehrkr\u00e4ften und weiteren Akteur*innen in Deutschland und D\u00e4nemark, ihre Sicht auf schulische Integrationsprozesse zu teilen und sich als Expert*innen unseren Fragen zu stellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Welche Wege gehen Sie, um Ihre Forschungsergebnisse der Praxis nahezubringen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Forschungsergebnisse werden auf eigenen Fachtagungen, nationalen und internationalen Konferenzen ver\u00f6ffentlicht. Bei den eigenen Fachtagungen an der Fakult\u00e4t werden Wissenschaftler*innen, Studierende, schulische Akteur*innen und Vertreter*innen der Bildungsverwaltung auf kommunaler, Landes-, Bundes- und internationaler Ebene eingeladen. R\u00fcckspiegelungen der Forschungsergebnisse an die (schulischen) Einrichtungen und die Bildungsverwaltungen auf verschiedenen Organisationsebenen werden ebenso vorgenommen. Hinzu kommen wissenschaftliche Publikationen, um die Forschungsergebnisse in einen Theorie-Praxis-Transfer zu bringen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Welche konkreten Handlungsempfehlungen k\u00f6nnen Sie Schulen bei der Integration von gefl\u00fcchteten Kindern und Jugendlichen geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Mehrsprachigkeit der Kinder und Jugendlichen<s>,<\/s> sowie ihrer Erziehungsberechtigten und Familien muss anerkannt werden<s>.<\/s>; dies in Form der Akzeptanz der Erstsprache als weitere Fremdsprache, die in der Schule oder in kooperierenden Einrichtungen gef\u00f6rdert wird. Zudem sollten Gespr\u00e4che mit Erziehungsberechtigten gegebenenfalls durch Sprachmittler*innen begleitet werden. Eine Willkommenskultur an Schulen gegen\u00fcber Erziehungsberechtigten ist zu entwickeln, sei es durch Elterncaf\u00e9s, Peer-Beratung durch Eltern\/Erziehungsberechtigte und weitere partizipative Formen. Die Forschung in Frankreich und D\u00e4nemark zeigt, dass die Anerkennung von Migration als Normalfall und nicht als Belastung einen anderen Blick auf die schulische Integration von Gefl\u00fcchteten erm\u00f6glicht. Hilfreich ist hier die in beiden L\u00e4ndern betonte internationale Kinderrechtskonvention, die eine zielgerichtete Beschulung abseits der sozialen und ethnischen Herkunft fordert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie definieren Sie Willkommenskultur? Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Willkommenskultur bei der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Eine Willkommenskultur zeigt sich in vielen Facetten: Hinweisschilder im Schulgeb\u00e4ude in verschiedenen Sprachen, (appgest\u00fctzte) Leitsysteme mit Piktogrammen, Sprachmittler*innen bei Gespr\u00e4chen mit Erziehungsberechtigten, Einsatz von Social Media beim Kontakt mit Erziehungsberechtigten, Fremdsprachenkenntnisse der schulischen Akteur*innen, mehrsprachige Informations- und Beratungsangebote f\u00fcr Sch\u00fcler*innen und ihre Angeh\u00f6rigen und vieles mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie sch\u00e4tzen Sie die Zukunft f\u00fcr gefl\u00fcchtete Kinder und Jugendliche an deutschen Schulen ein? Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die Schulsozialarbeit weiterentwickeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Das deutsche Schulsystem muss sich fortlaufend um die\nVerbesserung der Bildungsergebnisse bem\u00fchen. Indikatoren sind hierf\u00fcr nationale\nund internationale Schulleistungsstudien, die fortgesetzt seit 2001\nbilanzieren, dass in Deutschland die Koppelung zwischen sozialer Herkunft,\nMigrationshintergrund und Bildungserfolg besonders eng ist. Es gibt eine empirische\nEvidenz f\u00fcr Bildungsbenachteiligung bei Sch\u00fcler*innen aus sozio\u00f6konomisch\nbenachteiligten Verh\u00e4ltnissen und\/oder mit Migrationshintergrund.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Expansion der Schulsozialarbeit zeigt sich bundesweit seit einigen Jahren mit Unterschieden im Tempo, in der Finanzierung und Tr\u00e4gerstruktur in den Bundesl\u00e4ndern. In den Schulen sind gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungen, unter anderem die Folgen von Armut, Migration und Flucht zu bew\u00e4ltigen. Die zunehmende Diversit\u00e4t an Schulen zeigt sich vor allem bei Schulen in schwierigen Lagen mit einem hohen Anteil an von Armut betroffenen Sch\u00fcler*innen oder Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Schule ben\u00f6tigt zunehmend Soziale Arbeit zur Abmilderung schulischer Exklusionsmechanismen und muss sich als lernende Organisation begreifen, die z.B. die Entwicklung der multiprofessionellen Kooperationen als Qualit\u00e4tsentwicklungsmerkmal von Schulen begreift. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es zuk\u00fcnftige Forschungspl\u00e4ne zur Thematik Migration und Flucht? Welche?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die \u00dcbertragbarkeit der im Rahmen dieser Fachtagung\nvorgestellten Erkenntnisse soll nun auf die Schulen in sieben Landkreisen und\ndrei St\u00e4dten im Zust\u00e4ndigkeitsbereich des Regionalen Landesamtes f\u00fcr Schule und\nBildung Braunschweig \u00fcberpr\u00fcft werden. Dazu erfolgt eine Befragung im Rahmen\neiner quantitativen Studie mithilfe eines Online-Fragebogens von\nSchulleiter*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Lehrkr\u00e4ften, weiterem\np\u00e4dagogischen Personal, Dezernent*innen der Bildungsverwaltungen,\nBildungskoordinator*innen und Sprachbildungskoordinator*innen aller Schulen in\nder Zust\u00e4ndigkeit des Regionalen Landesamtes f\u00fcr Schule und Bildung\nBraunschweig, in denen Schulsozialarbeiter*innen t\u00e4tig sind. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ziel ist es, deren Perspektiven mit Bezug auf die\nfolgenden Kategorien zu untersuchen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Akzeptanz und F\u00f6rderung der Mehrsprachigkeit an Schulen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Multiprofessionelle Kooperationen (Schulleiter*innen, Lehrkr\u00e4fte, Schulsozialarbeiter*innen, externe Kooperationspartner*innen, Unterst\u00fctzungsfachkr\u00e4fte im Schulentwicklungsprozess)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Einbezug von Erziehungsberechtigten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u00dcbergangsmanagement (v.a. individuelle \u00dcberg\u00e4nge neu zugewanderter Sch\u00fcler*innen in ihrer Bildungsbiographie)<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Adina K\u00fcchler-Hendricks <\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was ist Ihre Motivation f\u00fcr das Forschungsthema Migration, Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Artikel 3 unseres Grundgesetzes verweist bereits auf\neinen Inklusionsanspruch, der damit nicht erst seit Inkrafttreten der\nUN-Behindertenrechtskonvention ein allgemeines Menschenrecht ist: F\u00fcr jede Person\nmuss die Voraussetzung geschaffen werden, an gesellschaftlichen Prozessen\nteilzuhaben, unabh\u00e4ngig von Sprache, Herkunft, Aussehen, Alter, Religion oder\nanderen individuellen Merkmalen. Diese Herausforderung gut meistern zu k\u00f6nnen\nund konkrete Hinweise zur Umsetzung zu geben \u2013 daf\u00fcr lehre und forsche ich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was m\u00fcsste des Weiteren im Kontext von Familie\/Politik und Gesellschaft getan werden? Nennen Sie uns zu jedem der drei genannten Bereiche bitte einen Aspekt, den Sie als besonders wichtig erachten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Familie: Familien k\u00f6nnen nicht genug finanzielle\nUnterst\u00fctzung durch Bund, Land und Kommunen erfahren. Aus der Schule heraus\nk\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte durch Hausbesuche unterst\u00fctzen. Unseren Studierenden empfehle\nich immer gerne den Film \u201eKinder der Utopie\u201c. Die dort beschriebene F\u00f6rderung\nkann in Schulen aber nur dann gelingen, wenn bildungspolitische Ausgaben anhand\nempirischer Evidenz an den Bedarf in Schulen angepasst werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es zuk\u00fcnftige Forschungspl\u00e4ne zur Thematik Migration und Flucht? Welche?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>W\u00e4hrend die Ergebnisse des hier vorgestellten\nForschungsprojektes zun\u00e4chst auf ihre \u00dcbertragbarkeit auf die Schulen in sieben\nLandkreisen und drei St\u00e4dten im Zust\u00e4ndigkeitsbereich des Regionalen\nLandesamtes f\u00fcr Schule und Bildung Braunschweig \u00fcberpr\u00fcft werden, gibt es\nweiteren Forschungsbedarf: Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und die\nMigration gefl\u00fcchteter Sch\u00fcler*innen aus der Ukraine m\u00fcssen in k\u00fcnftige\nUntersuchungen im Kontext von Migration und Flucht einbezogen werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie definieren Sie Willkommenskultur? Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Willkommenskultur bei der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Menschen, die ihre Heimatl\u00e4nder aufgrund von Krieg,\nVerfolgung oder anderen Gr\u00fcnden verlassen haben, kommen oft in eine v\u00f6llig neue\nund fremde Umgebung. Eine positive und unterst\u00fctzende Willkommenskultur kann\nihnen helfen, sich schneller und effektiver in ihrer neuen Umgebung\nzurechtzufinden, Kontakte zu kn\u00fcpfen und Identit\u00e4t zu stabilisieren. Eine\nWillkommenskultur kann auch dazu beitragen, Vorurteile und \u00c4ngste abzubauen, die\nmit der Ankunft von gefl\u00fcchteten Sch\u00fcler*innen einhergehen kann. Eine\nAtmosph\u00e4re des Vertrauens und der Zusammenarbeit muss geschaffen werden, die\ndann dazu beitragen kann, Konflikte und Spannungen zu reduzieren und das\nZusammenleben aller in der Gemeinschaft zu verbessern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Britta Mutzke<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie schaffen Sie es simultan die geh\u00f6rten Beitr\u00e4ge zu visualisieren und diese so miteinander zu verbinden, dass am Ende ein stimmiges Ganzes daraus wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Auch\nwenn es nicht so klingt, das ist tats\u00e4chlich ganz einfach: zuh\u00f6ren, zeichnen,\nZusammenh\u00e4nge finden!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Am wichtigsten ist also eine gute Akustik. H\u00f6ren und umsetzen gelingt nahezu zeitgleich, lesen und schreiben bzw. zeichnen gelingt zeitgleich nicht. Das Zuh\u00f6ren in v\u00f6lliger Pr\u00e4senz ist das wichtigste. L\u00f6sen wir uns also zun\u00e4chst von der Vorstellung, dass eine Seite Papier immer von oben links nach unten rechts beschrieben wird. Ein stimmiges Ganzes entsteht eher durch eine Art Mind Mapping. Ich h\u00f6re auf die Schl\u00fcsselw\u00f6rter, auf die Keywords anhand derer ich die Aussagen des Vortragenden rekonstruieren k\u00f6nnte. Diese zeichne ich entweder als Wort-Bild oder als Piktogramm oder auch als Zitat unmittelbar. Im weiteren Verlauf des Vortages finden sich dann schnell inhaltliche oder logische Ankn\u00fcpfungspunkte, die in der direkten N\u00e4he Platz finden. Mit Rahmen, Verbindungslinien oder Pfeilen und mit Farbe kann ich dies dann visuell verst\u00e4rken.&nbsp; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was bedeutet Ihnen das Thema der Tagung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Flucht\nund Vertreibung waren und sind zentrale Themen, mit denen wir uns\nperspektivisch auseinandersetzen m\u00fcssen. Menschen m\u00fcssen ihre Heimat verlassen\naus politischen, \u00f6konomischen und k\u00fcnftig auch verst\u00e4rkt aus \u00f6kologischen\nGesichtspunkten. Dem m\u00fcssen wir alle als Gesellschaft begegnen. Und Sprache ist\nder Schl\u00fcssel. Sprache ist, was Menschen miteinander verbindet und auch alle\n(Fach-)Disziplinen. Daher ist es so unfassbar wichtig, in einer sich\nkontinuierlich ver\u00e4ndernden Welt mit all ihren komplexen Herausforderungen\nmiteinander zu sprechen, sich austauschen zu k\u00f6nnen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mit\nmeinen Visualisierungen biete ich oft eine \u201eBr\u00fcckensprache\u201c an, eine\nKommunikationsfl\u00e4che. Denn ein Bild sagt bekanntlich viel mehr als 1000 Worte.\nDie Menschen kommen ins Gespr\u00e4ch: Finde ich das, was ich verstanden habe hier\nwieder? Welches ist das passende Bild f\u00fcr einen verwendeten Begriff oder f\u00fcr\neine Situation? Finden wir ein gemeinsames? Wie k\u00f6nnen wir Sachverhalte und\nZusammenh\u00e4nge so abbilden, dass alle sie verstehen? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Alles das, was hilft, dass Menschen sich ausdr\u00fccken k\u00f6nnen und Ideen haben, hilft Lern- und Weiterentwicklungsprozessen. Visualisierungen sind ein niederschwelliges Hilfsmittel daf\u00fcr und k\u00f6nnen (Sprach-)Grenzen \u00fcbergreifend unterst\u00fctzen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Hatten Sie Vorwissen zur Thematik der Tagung? Ein besonderes Interesse?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Lehr-,\nLern- und Entwicklungsprozesse zu betrachten und zu begleiten ist mein\nLieblingsthema. Ich bin Dipl. P\u00e4dagogin, daher hatte ich nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes\nInteresse an der Thematik. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Zudem habe ich selbst drei Kinder, die die weiterf\u00fchrende Schule besuchen und Freunde und Freundinnen mit nach Hause bringen, daher bin ich mit der Thematik gut vertraut. Mein \u00e4ltester Sohn verbringt gerade ein Auslandsjahr in Finnland und \u201ek\u00e4mpft\u201c mit der finnischen Sprache. Er nutzt Englisch als Br\u00fcckensprache, das ist dort selbstverst\u00e4ndlich. Aber die finnischen Wortbilder wird er sich wohl recht h\u00e4ufig visualisieren m\u00fcssen, damit er sie lernt. Nun, er ist aus freiem Willen dort, was bei vielen Kindern und Jugendlichen mit Flucht- oder Vertreibungshintergrund sicher nicht so ist. Dennoch wird deutlich, wie wichtig das Wohlf\u00fchlen, der Lernort als ein sicherer Ort f\u00fcr eben diese Lernprozesse ist. Das war ja auch ein zentraler Punkt der Tagung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Inwiefern spielt die Beziehung zum Thema f\u00fcr Ihre Arbeit eine Rolle? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Vor einiger Zeit hatte ich einen Workshop mit neun Frauen aus sechs verschiedenen Nationen. Demzufolge hatten wir sechs verschiedene Sprachen im Raum aber keine gemeinsame. Diese Frauen waren aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nach Deutschland gekommen und sollten in diesem Workshop \u00fcber ihre Kompetenzen reflektieren, um eine Idee zu entwickeln, was ihnen hier beruflich m\u00f6glich ist. Mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen haben wir visualisiert, dann mit einfachen Piktogrammen. Jede der Frauen in ihrer Sprache. Es gab viele Missverst\u00e4ndnisse zu den Bedeutungen vieler Bilder \u2013 aber gerade durch das Aufl\u00f6sen dieser Missverst\u00e4ndnisse<s>,<\/s> und viel gemeinsames Lachen bei so einigen Visualisierungsversuchen konnten wir uns einen gemeinsamen Bildwortschatz erarbeiten. Und eines ist in diesem Zusammenhang noch besonders wichtig: Wenn ich eine Figur mit einem l\u00e4chelnden Gesicht zeichne, dann wird das \u00fcberall auf der Welt verstanden, ohne dass wir Worte daf\u00fcr brauchen. In ein l\u00e4chelndes Gesicht zu schauen, macht etwas mit uns. Warum nicht nutzen?!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wie  sind Sie zum \u201egraphic recording\u201c gekommen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Durch\ndie Reflexion \u00fcber meine eigenen Lernprozesse. Lernen, wie ich es aus der\nSchule und Studium kannte, kam mir langatmig und ineffektiv vor. Lernstoff\n\u201epauken\u201c fand ich furchtbar, daher habe ich angefangen kreativ die Inhalte\naufzubereiten. Ich war nie gut in Kunst, hatte grad so meinen 3er, aber genau\ndas war der Schl\u00fcssel. Denn als ich neben einer Aufz\u00e4hlung von theoretischen\nAspekten zu dem Thema Lerngeschwindigkeiten versucht habe, ein Auto zu\nzeichnen, musste ich herzlich \u00fcber meine eigene Unzul\u00e4nglichkeit lachen. Drei\nTage sp\u00e4ter aber, in der Klausur dann, musste ich nur an mein verungl\u00fccktes\nAuto denken und siehe da, ich konnte alle einzelnen Aspekte mit einem L\u00e4cheln\nerinnern. Meine Konklusion war: Wenn das bei mir funktioniert, warum nicht\nanderen Menschen anbieten?! Nach meinem Studium habe ich so zun\u00e4chst viele\nBildungs- und Weiterbildungsangebote begleitet und dabei meine Technik des\nVisualisierens kontinuierlich weiterentwickelt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>In Organisationsentwicklungsprozessen eine visuelle Dokumentation anbieten zu k\u00f6nnen, erwies sich dann als besonders hilfreich. Die Teilnehmenden erlebten sich intensiver involviert in den Prozess, da sie ihre eigenen Gedanken noch einmal vor Augen hatten und die Ergebnisse konnten sehr anschaulich in das ganze Unternehmen kommuniziert werden. Und was als hilfreich erlebt wird, gut funktioniert und auch noch Spa\u00df macht, das macht man weiter. So bin ich immer gern die erste die sich f\u00fcr das Protokollschreiben meldet, denn so ist keine erdenkliche Sitzung mehr langweilig\u2026 \ud83d\ude09<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Austausch mit den vielen verschiedenen Menschen. Gemeinsam planen, Ideen entwickeln und umsetzen. Jede Veranstaltung ist anders, jeder Kontext anders, jede Situation. Ich muss sehr schnell pragmatische L\u00f6sungen entwickeln und darf unter Volldampf arbeiten. H\u00e4ufig bin ich mit Themen konfrontiert, \u00fcber die ich wahrscheinlich sonst niemals so tief nachgedacht h\u00e4tte. Ich spreche mit Menschen, mit denen ich wahrscheinlich niemals ins Gespr\u00e4ch gekommen w\u00e4re. Und nat\u00fcrlich motiviert mich sehr, dass durch eine visuelle Dokumentation mit viel Engagement vorbereitete Inhalte bzw. Vortr\u00e4ge nach der Veranstaltung nicht gleich wieder Schall und Rauch sind. Sondern jeder Teilnehmende kann sich diese als Foto mit nach Hause nehmen. Das w\u00fcrdigt nicht nur ReferentInnen, sondern auch alle Teilnehmenden, die engagiert mitverfolgt und mitgedacht haben. Die viele, oft rein kognitive Arbeit w\u00e4hrend der Veranstaltung ist hinterher nach au\u00dfen hin sichtbar. <\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof.in Dr.in Erika Schulze Was ist Ihre Motivation f\u00fcr das Forschungsthema Migration, Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit? Zum einen begleitet mich die Migrationsforschung seit vielen Jahren, daher besch\u00e4ftige ich mich auch immer wieder mit dem Thema Flucht und Zugeh\u00f6rigkeit. Die zweite Motivation hat generell mit meiner Besch\u00e4ftigung mit gesellschaftlichen Ungleichheiten zu tun. 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