Team Radverkehrsmanagement präsentiert aktuelle Forschungsprojekte auf einem Symposium in Lund in Schweden
Fotos: Konstantin Ponomarev

Das Team Radverkehrsmanagement (RVM-Team) der Ostfalia Hochschule hat vom 24. bis 25. August 2026 am jährlichen internationalen Symposium „Cycling and Society“ in Lund (Schweden) teilgenommen. Professorin Jana Kühl und die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Judith Rötgers und Konstantin Ponomarev berichteten über vorläufige Ergebnisse aus vier aktuellen Forschungsprojekten und beteiligten sich aktiv an den Diskussionen, u.a. als Gast einer Podiumsdiskussion. Die Reise wurde aus Projektmitteln finanziert und durch die Unterstützung der Karl-Scharfenberg-Fakultät und Mittel des Internationalisierungsfonds ermöglicht.
Das diesjährige Symposium fand unter dem Titel „Pedalling Power: Cycling, Politics and Possibilities“ am 24-25. August 2026 in Lund (Schweden) statt. Die Veranstaltung zieht jährlich Forschende aus verschiedenen Ländern an, die sich mit dem Thema Radverkehr befassen. „Cycling and Society“ wurde 2004 von einer Gruppe von Wissenschaftler*innen gegründet, die sich zu ihren Forschungsvorhaben insbesondere aus sozial- und politikwissenschaftlichen Perspektiven austauschen und einen Raum für kritisches Denken schaffen wollten. Die enge Verbindung zu den Forschungsprojekten des Teams AutoRad, FMM (Fahrrad-Medien-Milieus), LENKER sowie dem Eigenforschungsprojekt „Semiotik des Wandels“ Radverkehr lag damit auf der Hand: alle Projekte widmen sich auf verschiedenen Ebenen der Förderung einer sozial gerechteren und ökologisch nachhaltigeren Mobilität.

Projekte des RVM-Teams der Ostfalia Hochschule:
Das Forschungsprojekt AutoRad stellt sich die Frage, wie das Image des Radfahrens in einer Region mit starker Automobilidentität möglicherweise verbessert werden kann. Projekt LENKER untersucht, warum viele junge Menschen das Radfahren im Übergang zum Erwachsenenalter aufgeben. Das Projekt FMM betrachtet die medialen Darstellungen des Radfahrens, um Radfahren als vielfältige und sozial anschlussfähige Mobilitätpraxis zu etablieren. Diese drei Projekte werden vom Bundesministerium für Verkehr gefördert und aus Mittelnzur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 unterstützt. Dazu ist „Semiotik des Wandels“ ein Eigenforschungsprojekt von Prof. Dr. Jana Kühl, dass untersucht, wie eine positive Wahrnehmung von Pilotprojekten im Stadtraum dazu beiträgt, dass Menschen Klimaschutzmaßnahmen mittragen.
Mehr Info: www.ostfalia.de/radverkehr
Kontaktinfo: rvm-k@ostfalia.de
Konstantin Ponomarev vertrat das Projekt AutoRad mit einer 15-minütigen Präsentation unter dem Titel „Power of identity: chance for cycling mobility in car industry regions“. „Das Ziel war, die Forschung zu Identität, Image und Fahrradmobilität in der Automobilregion Wolfsburg im internationalen wissenschaftlichen Kontext zu platzieren. Der Fokus auf einer „car-oriented city“ ist in Forschungsprojekten zu Fahrradmobilität noch selten zu vertreten“, sagt Konstantin Ponomarev.

Ein weiterer Vortrag von Judith Rötgers, Jana Kühl und Carolin Baaske (die leider nicht vor Ort sein konnte) stellte die methodischen Überlegungen der Projekte LENKER und FMM vor. Grundlegende Frage war, wie sich die Mobilitätspraktiken und Einstellungen gegenüber dem Radfahren von Menschen erforschen lassen, die aktuell wenig Fahrrad fahren. In Lund wurde der Ansatz aus LENKER vorgestellt, mobile Interviews zu auf einem Alltagsweg der Teilnehmenden mit einem Verkehrsmittel der Wahl zu führen, um so mehr über das Fahrradfahren zu erfahren – ganz nach dem Motto „doing anything but cycling“, wie Judith Rötgers festhielt. Im Projekt FMM stehen kreative Methoden, sogenannte Cultural Probes, im Vordergrund, die Teilnehmende im Alltag von zu Hause aus bearbeiten.
Prof. Dr. Jana Kühl stellte in ihrem Vortrag „Inviting Infrastructures: The Semiotics and Affects of Cycling Transitions in Urban Space“ ein Forschungsdesign an der Schnittstelle von Urban Design, Diskursforschung und urbane Transformation zur Diskussion. Ziel des Forschungsvorhabens ist es herauszuarbeiten, wie positives affektives Erleben von urbanen Transformationsprozessen den Zuspruch gegenüber Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen erhöhen kann. Zusätzlich war Jana Kühl als Podiumsgast geladen, um die internationale Bedeutung von aktiver Mobilität als Politikfeld zu diskutieren.

Die Welt der Forschung zu Fahrradmobilität und zur gesellschaftlichen Wirkung des Radfahrens ist sehr vielfältig – das zeigte das Symposium in Lund auf beeindruckende Art und Weise. Die Forschungsprojekte der Ostfalia Hochschule sind dabei auch im internationalen Kontext aktuell – und ermöglichen es darüber hinaus, neue Erkenntnisse in die Lehre einzubringen. Bereits in diesem Semester werden die Studierenden an der Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien mehr aus den laufenden Projekten erfahren.
